Arbeitslosigkeit
: Templin überholt Schwedt

Obwohl die Oderstadt zu den Industriekernen Brandenburgs gehört, haben viele Menschen keinen Job.
Von
Oliver Schwers
Schwedt
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Große Gewerbeflächen, starke Betriebe: Dennoch ist die Arbeitslosigkeit in der Oderstadt anhaltend hoch. Die Uckermark hat den Verlust an Jobs aus den 90er-Jahren bis heute nicht annähernd aufholen können.

Wilfried Bergholz

Bei nur noch 4,9 Prozent liegt die Arbeitslosenquote in ganz Deutschland. 5,5 Prozent sind es durchschnittlich in Brandenburg. Und auf satte 10,1 Prozent kommt die Uckermark. Die Stadt Schwedt liegt mit 11,3 Prozent sogar noch darüber. Eine Schlusslichtposition. Und das bei vielen Industriearbeitsplätzen in zwei Schwerpunktbranchen.

Noch vor Jahren ist man davon ausgegangen, dass gerade solche Standorte bei anhaltendem konjunkturellem Aufschwung die lange nachwirkenden Nachwende–Einbrüche irgendwann aufholen und dann zulegen. Doch das Gegenteil stellt sich ein. Zwar ist die Arbeitslosigkeit in Städten generell höher als auf dem Lande, doch begründet das nicht den starken Abstand zu vergleichbaren Regionen.

Im Arbeitsagenturbezirk Eberswalde mit den Kreisen Uckermark und Barnim könnten die Unterschiede nicht größer sein. Vollbeschäftigung herrscht in Bernau. Die Arbeitslosenquote sackt auf 3,2 Prozent. Dagegen hält Prenzlau traditionell die rote Laterne mit derzeit 11,3 Prozent. Kaum ein Abstand zum Industriekern Schwedt. Das war mal anders. Vor etlichen Jahren lagen die Geschäftsstellenbereiche Schwedt und Eberswalde dicht beieinander. Jetzt liegen 2,4 Prozent Differenz dazwischen.

Der Raum Templin, einst deutlich hinter der Oderstadt gelegen, hat lange überholt. Ein Zahlenvergleich lohnt: Noch vor zehn Jahren waren beide Bereiche mit einer Arbeitslosenquote von damals 16,7 Prozent gleichauf. Inzwischen konnte Templin die Quote halbieren. 1059 Menschen haben hier zurzeit keinen Job. Schwedt reduzierte im gleichen Zeitraum um nur 6,5 Prozent. Die Zahl der Arbeitslosen ist fast dreimal so hoch.

Das Problem liegt in fehlenden Ausbildungsplätzen und an einem Berufsmix, der nicht nur auf Spitzenfacharbeiter setzt. Momentan sind im Raum Schwedt und Angermünde 605 freie Stellen im Register der Arbeitsagentur gemeldet. Allein der Speckgürtel im Bereich Bernau kommt dagegen schon auf 927.

Uckermark hat Strukturproblem

Generell leidet die Uckermark unter einem Strukturproblem. Der gesamte Kreis hat es nicht geschafft, den Arbeitsplatzabbau der 90–er Jahre aufzuholen. Der Barnim glänzt dagegen mit Rekordwerten. Dort sind es 50 000 sozialversicherungspflichtige Jobs, die die Wirtschaft boomen lassen. Hier stagniert es bei derzeit 38 800 Arbeitsplätzen. Die Kluft dazwischen wächst mit jedem Jahr weiter an. Zum Vergleich: Vor genau 20 Jahren lagen beide Landkreise beim Arbeitsplatzangebot gleichauf, und zwar bei jeweils rund 46 500 sozialversicherungspflichtigen Jobs.

Das hat Auswirkungen auf alle Bereiche der Gesellschaft, auf Kindertagesstätten, Einkommen, Berufsschulen, auf Kaufkraft und öffentlichen Nahverkehr. Während die vorhandenen Firmen in der Uckermark ihre Arbeiterzahlen aufgrund guter Auftragslage aufstocken, fehlt es indessen an Neugründungen in allen Größenordnungen. Stattdessen geben Handwerksbetriebe und Kleingeschäfte sogar noch auf, wenn sie keine Nachfolger oder kein Personal finden.

Zieht man den demografischen Faktor in Betracht, dann sieht es für die Uckermark noch schlechter aus. Denn viele Langzeitarbeitslose sind einfach nur in den Ruhestand verschwunden und fallen damit aus der amtlichen Statistik heraus.